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Wie gefährlich ist Aluminium? Teil 1

Rund ums Thema Aluminium gibt es ja zahlreiche Studien, Untersuchungen, Meinungen und Mythen. Als Apotheker bin ich naturgemäß mit vorschnellen Urteilen vorsichtig. Allerdings hat mich ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) aufhorchen lassen. Ich habe mich deshalb entschlossen, das Thema hier im Blog aufzugreifen.

Was ist Aluminium überhaupt? 

Aluminium ist ein sogenanntes Leichtmetall, das sehr häufig auf der Welt vorkommt. In der Erdkruste ist es sogar das häufigste Metall überhaupt. Es wird aus einem Mineral namens Bauxit gewonnen. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Schulstunden zu dem Thema. 

Aluminium in vielen Alltagsgegenständen

Aluminium kommt in zahlreichen Alltagsgegenständen vor. Zum Beispiel in Bauteilen von Fahrzeugen und Maschinen, in elektrischen Leitungen, in Rohren oder bei Haushaltsgegenständen. Aber auch in Lebensmitteln und Kosmetika kann Aluminium enthalten sein. Das vermutlich bekannteste Produkt ist die Alufolie. 

Aluminium in Deos und Zahnpasta

Auch in der Apotheke gibt es zahlreiche aluminiumhaltige Produkte. Zum Beispiel aluminiumhaltige Deos (Antitranspirant) und Zahncremes mit „Whitening-Effekt“. Zudem können Lippenstifte, Sonnenschutzprodukte oder Medikamente gegen Sodbrennen und Impfstoffe Aluminiumverbindungen enthalten. Das waren zwar keine Neuigkeiten für mich als Apotheker. Trotzdem ertappe ich mich, wie ich seit der Recherche zu diesem Artikel in der Beratung häufiger von aluminiumhaltigen Produkten abrate – insbesondere bei „Risikogruppen“ wie Schwangeren oder Nierenerkrankten.

Geringe Mengen ohne Risiko

Um hier jedoch einer latenten Hysterie beim Thema Aluminium vorzubeugen, kommt jetzt erstmal die gute Nachricht: Geringe Mengen an Aluminium sind für gesunde Erwachsene unbedenklich. Und zwar komplett. Der menschliche Organismus kann ohne Probleme Aluminium ausscheiden. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Werden größere Mengen zugeführt, können sie sich im Körper anreichern und zu gesundheitlichen Schäden führen. Wie leicht die Grenzwerte überschritten werden, zeigte der Bericht des BfR. Dazu aber später mehr.

Wie gelangt Aluminium in den Körper? 

Aluminium gelangt auf verschiedenen Wegen in den Körper. Zum einen nehmen wir kleine Mengen Aluminium regelmäßig über bestimmte Lebensmittel wie Kakao, Schokolade, Hülsenfrüchte und Tee und sogar über das Trinkwasser zu uns. Diese Aufnahme ist kaum zu vermeiden, muss sie aber auch nicht. Kommen nun weitere Aluminiumquellen hinzu – wie zum Beispiel die Nutzung aluminiumhaltigen Geschirrs, eines aluminiumhaltigen Antitranspirants, Lippenstifte, Sonnenschutzprodukten oder bestimmter Arzneimittel – kann es zu einer erhöhten Aluminiumzufuhr kommen. Und dann kann es kritisch werden.

Ist die Aufnahme von Aluminium gefährlich?

Bei einer Aufnahme durch die Nahrung ist die akute Gifitigkeit von Aluminium relativ gering. Gesunde Menschen scheiden zudem den größten Teil des aufgenommenen Aluminiums über die Nieren wieder aus. Aber: Nierenpatienten, vor allem solche mit Niereninsuffizienz, können Aluminium nicht mehr ausreichend ausscheiden, so dass es zu einer Anreicherung von Aluminiumsalzen im Körper kommen kann. Zudem haben Babys und Kleinkinder noch keinen voll ausgebildeten Organismus und können Aluminium nicht ausreichend ausscheiden. Auch Schwangere sollten mit der Aluminiumzufuhr sehr sparsam sein, denn das Metall ist plazentagängig und kann so auf das Ungeborene übergehen.

Einlagerung in Skelett und Gehirn

Fest steht: Bei häufiger und regelmäßiger Aufnahme größerer Mengen kann sich Aluminium im Körper einlagern. Vor allem das Skelettsystem, die Nieren, Muskeln oder Gehirn sind betroffen. Die Folgen sind Schäden des Nervensystems, Auswirkungen auf die geistige und motorische Entwicklung von Föten sowie Schädigungen der Niere und der Knochen. 

Wie viel Aluminium nimmt man normalerweise auf? 

Um solche Überdosierungen mit Aluminium zu vermeiden, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kürzlich einen sehr guten Übersichtartikel erstellt. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland nehmen alleine über Lebensmittel die Hälfte der wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge an Aluminiumsalzen auf (1 mg Aluminium je kg Körpergewicht). Menschen, die zusätzlich aluminiumhaltige Kosmetika oder unbeschichtetes Alugeschirr verwenden, können den Richtwert sogar deutlich überschreiten. Auf Dauer ist das keine gute Idee…

Wie lässt sich die Aluminium-Aufnahme verringern? 

Für uns Verbraucher gibt es jedoch einige Möglichkeiten, die tägliche Menge an Aluminium zu verringern. Bei Lebensmitteln hilft es beispielsweise, sich abwechslungsreich und vielfältig zu ernähren. Auf diese Weise lassen sich Belastungen mit Aluminium verringern.

Aluminiumhaltige Deodorants

Eine Hauptquelle der Aluminiumaufnahme stellen aluminiumhaltige Deodorants dar. Menschen, die nur wenig schwitzen, sollten daher in Betracht ziehen, aluminiumfreie Deos zu nutzen. In jedem Fall sollten Verbraucher solche Produkte nicht auf frisch rasierter oder verletzter Haut auftragen. Zudem weisen Untersuchungen darauf hin, dass bei Deosprays die Aluminiumaufnahme über die Haut geringer ist als bei Deocremes oder Deorollern.

Aluminiumhaltige Zahnpasten

Weißende Zahncremes tragen ebenfalls erheblich zur Aluminiumbelastung im Körper bei. Hier stehen aluminiumfreie Alternativen zur Verfügung. Auch eine Professionelle Zahnreinigung macht die Zähne wieder etwas heller, ohne dass der Körper mit Aluminium belastet wird. 

Aluminiumhaltiges Geschirr

Vermeidbar ist zudem die Nutzung von Alufolie, Alu-Grillschalen oder unbeschichtetem Alu-Geschirr. Vor allem säure- und salzhaltige Produkte sollten mit diesen Produkten nicht in Kontakt kommen, da dies zu einer stärkeren Freisetzung von Aluminiumalzen aus dem Material führt. Alufolie sollte also nicht zum Einwickeln von sauren oder salzigen Lebensmitteln verwendet werden. Dazu gehören geschnittene Äpfel, Tomaten, mariniertes Fleisch oder Käse. Zum Grillen sollten besser wiederverwendbare Schalen verwendet werden.

Können Warmhalteschalen Aluminium in Lebensmittel freisetzen?

Unbeschichtete Aluschalen können also Aluminium an Lebensmittel abgeben. Die Menge hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Salz- oder Säuregehalt des Lebensmittels. Auch die Temperatur und die Dauer der Lagerung in der Aluminiumschale sind entscheidend. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass beim sogenannten Cook & Chill-Verfahren, das oft bei der Außer-Haus-Verpflegung angewendet wird, vor allem beim Warmhalten hohe Alumunium-Mengen aus den Menüschalen freigesetzt werden können. 

In Teil Zwei geht es dann um Aluminium in Medikamenten und der Frage, ob Aluminium Alzheimer und Krebs auslösen kann.

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Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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