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Wie gefährlich ist Aluminium? Teil 2

Im ersten Teil dieses Artikels ging es um allgemeine Informationen zu Aluminium und die Folgen einer Langzeit-Intoxikation. Im folgenden Text gehe ich auf Frage ein, ob Aluminium Krebs oder Alzheimer auslösen kann und welche Medikamente Aluminium enthalten. Doch zunächst nochmal ein Hinweis zu Aluminium bei bestimmten Patientengruppen wie Kindern und Schwangeren.

Ist Aluminium gefährlich für Säuglinge und Kleinkinder? 

Ich bin selber Vater einer Tochter und werde als Apotheker häufig gefragt, ob bestimmte Produkte denn auch bei Kindern geeignet sind. Es gilt der Grundsatz: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Denn der Organismus von Säuglingen und Kleinkindern ist noch nicht voll ausgeprägt und das führt zu einige wesentlichen Unterschieden – nicht bloß bei der Dosierung. 

Aluminium in Säuglingsnahrung

Eltern sollte deshalb unter anderem besonders auf die Aluminiumbelastung ihrer Kinder achten. Eine wichtige Quelle von Aluminium sind spezielle Säuglingsnahrungen, also beispielsweise sojabasierte, lactosefreie oder hypoallerge Nahrungen. Diese Produkte sind nicht unkritisch zu betrachten. Wenn es irgendwie geht, wird empfohlen, Säuglinge bis zum sechsten Monat voll zu stillen und danach mit normaler Kost zuzufüttern. 

Aluminium in Impfstoffen

Auch Impfstoffe enthalten Aluminum, die Säuglinge und Kleinkinder dann bei einer Impfung aufnehmen. Klinische Studien zeigen jedoch, dass die Aluminiumbelastung durch Impfstoffe als gesundheitlich unbedenklich einzuschätzen ist. Impfungen haben zudem einen hohen gesundheitlichen Nutzen, weshalb ich auf keinen Fall dafür plädiere, auf Impfen zu verzichten. 

Junge Frauen: besonders aufpassen! 

Auch junge Frauen sind eine gewisse „Risikogruppe“ in Sachen Aluminium – insbesondere wenn es um die Kinderplanung geht. Denn Aluminiumsalze werden sehr lange im Körper gespeichert und sind zudem plazentagängig. Bei einer Schwangerschaft könnten die ungeborenen Kinder deshalb ungeahnt einer erhöhten Konzentration an Aluminium ausgesetzt sein. Es gilt also: Je weniger Aluminium (zum Beispiel aus Kosmetikprodukten oder Deos), umso besser – für Mutter und Baby. 

In welchen Kosmetika kann Aluminium vorkommen? 

(Aluminiumhaltige) Kosmetika kommen ja auch häufig in der Apotheke vor, deshalb beschäftigt mich diese Frage auch hier. Nicht zuletzt als schweißhemmende Deodorants. Der Wirkstoff ist Aluminium-Chlorid-Hexahydrat (auch als Aluminium-Chlorohydrat bezeichnet). Aluminiumchlorid hat eine sehr effektive schweißhemmende Wirkung. Aluminium findet aber auch als Beschichtung von Nanopartikeln in Sonnenschutzmitteln, als Farbpigment in Lippenstiften und in Form von Aluminiumfluorid in Zahncremes Anwendung. Das sollte man bei der Produktauswahl beachten.

Wie viel Aluminium ist in Kosmetika enthalten? 

Die Aluminium-Konzentrationen schwanken jedoch von Produkt zu Produkt. In aluminiumhaltigen Deos sind üblicherweise 2,5 bis 7,5 Prozent reines Aluminium enthalten (das entspricht 10 bis 30 Prozent Aluminium-Chlorid-Hexahydrat. Lippenstifte können bis zu 3 %, weißende Zahncremes bis zu 4,5 % und Sonnencremes bis zu 0,8 % Aluminium enthalten. 

Welche Medikamente enthalten Aluminium?

Ein Thema, das mich als Apotheker naturgemäß umtreibt: Welche Medikamente enthalten eigentlich Aluminium? Aluminium ist zum Beispiel ein wichtiger Hilfsstoff für Impfstoffe. Zudem wird es bei Medikamenten gegen Sodbrennen (Antazida) zur Neutralisation der Magensäure eingesetzt. Aluminium kommt zudem in Form von Aluminiumstearat als Hilfsstoff in der Tablettenherstellung zum Einsatz. Es gibt also eine gewisse Menge an Produkten in der Apotheke, die beim Thema Aluminium eine Rolle spielen.

Beispiel: Aluminiumfreisetzung aus Antazida (Mittel gegen Sodbrennen) 

Wie viel Aluminiumsalz aus Medikamenten freigesetzt werden kann, zeigt folgendes Beispiel: Aluminiumhaltige Antazida enthalten etwa 500 mg (Tabletten) bzw. als 320 mg pro 5 ml (Gel) Aluminiumhydroxid. Dies entspricht 173 mg bzw. 111 mg Aluminium pro Anwendung. Für einen 60 kg schweren Erwachsenen entspräche dies einer aufgenommenen Menge von 1,85 – 2,88 mg/kg Körpergewicht. Und damit einer hohen Menge aufgenommenen Aluminiums. Allerdings ist die Aufnahme bei einmaliger Einnahme deutlich niedriger als bei kontinuierlicher Anwendung. Moderne Alumosilikate (wie zum Beispiel Hydrotalcit) setzen zudem deutlich weniger Aluminium frei. 

Warnung für besondere Patientengruppen

Für Patientengruppen wie Schwangere oder Nierenpatienten gilt aus meiner Sicht eine grundsätzliche Warnung vor der Anwendung aluminiumhaltiger Medikamente. Sie sollten auf aluminiumfreie Varianten wechseln. 

Kann Aluminium Alzheimer auslösen?

Eines der Mythen rund um Aluminium ist das Thema Alzheimer. Bislang konnte jedoch keine Studie einen Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme und einer Alzheimer-Erkrankung nachweisen. Auch wenn eine abschließende Bewertung aufgrund der uneinheitlichen Datenlage noch nicht möglich ist, ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Alzheimer und Aluminium-Aufnahme eher unwahrscheinlich. 

Kann Aluminium Brustkrebs auslösen?

Und: Ein Zusammenhang zwischen Aluminiumaufnahme, zum Beispiel aus Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs konnte bisher ebenfalls nicht gezeigt werden. Es gibt zwar Indizien – bei Bruskrebspatientinnen wurden demnach im Brustgewebe erhöhte Mengen Aluminium gefunden. Allerdings konnte bislang nicht belegt werden, ob es sich um den Auslöser oder die Folge des Brustkrebs handelte. Und auch wenn eine epidemiologische Studie einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch aluminiumhaltiger Deos und dem Auftreten von Brustkrebs fand, so gab es zwei andere Studien, die keinen entsprechenden Zusammenhang herausfanden. Auch hier ist die Datenlage uneinheitlich. Nach aktuellem Erkenntnisstand stellen aluminiumhaltige Deos jedoch vermutlich kein Risiko für die Ausbildung von Brustkrebs dar. 

Zusammenfassung: Die Dosis macht, dass ein Stoff ein Gift ist.

Egal, ob Aluminium aus Lebensmitteln, Alltagsprodukten, Kosmetika oder Medikamenten aufgenommen werden – für gesunde Erwachsene gilt: Wer es nicht übertreibt, hat kein Risiko zu erwarten. Bestimmte Patientengruppen oder der parallele Gebrauch mehrere Aluminiumquellen kann jedoch auf Dauer zum gesundheitlichen Problem werden. Das hat nicht zuletzt der Bericht des BfR gezeigt, und darauf weise ich im Beratungsgespräch in der Apotheke immer wieder hin. 

Weitere Infos zu mehr als 70.000 (auch aluminiumfreien) Medikamenten finden Sie in der App whatsin my meds. 

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Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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