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Medikamente bei Histaminintoleranz, geht das?

Was viele Patienten mit Histaminintoleranz nicht wissen: Neben Lebensmitteln können auch viele Medikamente Symptome auslösen. Mehr als 400 verschiedene Inhaltsstoffe in Pillen, Säften und Co. gelten als problematisch und sollten – wenn möglich – vermieden werden. Welche Stoffe das sind, und welche histaminfreien Alternativen es gibt, zeige ich im folgenden Artikel. 

Verzicht ist das A und O

Histaminintoleranz ist eine tückische Krankheit. Durch ein Ungleichgewicht zwischen der Aufnahme und dem Abbau des Botenstoffes Histamin im Körper kommt es zu zahlreichen Symptomen. Diese reichen von Hautausschlag, Verdauungsproblemen, Schnupfen bis hin zu Atmennot. Eine Therapie oder gar Heilung ist bislang nicht in Sicht. Deshalb bleibt Betroffenen nur eins: nach Möglichkeit auf Histamin zu verzichten.

Auch Medikamente betroffen

Wie schwer das ist, zeigt ein Blick auf entsprechende Lebensmittellisten. Eine Vielzahl von Nahrungsmitteln und Lebensmittelbestandteilen bereiten histaminintoleranten Menschen Beschwerden. Und nicht nur das: Auch Medikamente sind voll von histaminreichen Stoffen. Hier den Überblick zu behalten, fällt selbst mir als Apotheker einigermaßen schwer.

Unüberschaubar: der Medikamentenmarkt

Enthalten Medikamente Histamin? 

Was ist also das Problem mit Medikamenten bei Histaminintoleranz? Medikamente selbst enthalten kein Histamin. Dennoch beeinflusst eine Vielzahl von Medikamentenbestandteilen den Histaminstoffwechsel. Das ist ist oft überhaupt nicht geplant, passiert aber trotzdem. Auslöser für die Probleme können sowohl der Wirkstoff als auch die Hilfsstoffe sein.

Welche Stoffe sind geeignet?

Die gute Nachricht ist: Es gibt eine große Zahl von Inhaltsstoffen (Wirk- und Hilfsstoffe), die bei Histaminintoleranz bedenkenlos genommen werden können. Sie alle aufzuzählen, würde hier allerdings den Rahmen sprengen, deshalb versuche ich es andersherum und beschäftige mich mit den Stoffen, die problematisch sind und besser nicht angewendet werden sollten. 

Neben Lebensmitteln können auch Medikamente Probleme bei HIT auslösen

Welche Stoffe können Symptome auslösen?

Mehr als 400 Wirk- und Hilfsstoffe in Medikamenten können zu Symptomen bei einer Histaminintoleranz führen. Das klingt erstmal gar nicht so viel. Aber viele der problematischen Stoffe sind echte „Blockbuster“ und kommen in unzähligen Präparaten zum Einsatz.

Die Histamin-Forschung unterscheidet bei Medikamenten zwischen DAO-Blockern und Histaminliberatoren. Erstere hemmen die Funktion des Histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidas (DAO), Letztere setzen Histamin im Körper frei. 

DAO-Blocker

Hemmstoffe des Enzyms Diaminoxidase werden auch als DAO-Blocker bezeichnet. Betroffen sind wohl Wirkstoffe als auch Hilfsstoffe. Einige Wirkstoffe als Beispiel.

  • Acetylcystein (Hustenlöser)
  • Ambroxol (Hustenlöser)
  • Amitriptylin (Antidepressivum)
  • Diazepam (Schlaf- und Beruhigungsmittel)
  • Metamizol (Schmerzmittel)
  • Metoclopramid (Magenmittel)

Histaminliberatoren

Daneben gibt es Stoffe, die Histamin im Körper freisetzen. Sie werden Histaminliberatoren genannt. Zu dieser Gruppe zählen zahlreiche Stoffe, die auch in der Selbstmedikation vorkommen. Umso wichtiger ist es, hier genau hinzuschauen, ob die Stoffe in den gewünschten Schmerz- und Erkältungsmittel eigentlich passen oder nicht. Folgende Stoffe als Beispiel: 

  • ASS (Schmerzmittel, Blutverdünner)
  • Diclofenac (Schmerzmittel)
  • Flurbiprofen (Halsschmerzmittel)
  • Naproxen (Schmerzmittel)
  • Röntgenkontrastmittel

Viele Hilfsstoffe betroffen

So gut wie jedes Medikament enthält Hilfsstoffe. Sie sind dafür da, den Wirkstoff in eine anwendbare Form zu bringen, also aus einem Wirkstoff überhaupt eine Tablette zu machen, die dann idealerweise auch noch angenehm schmeckt. 

Hilfsstoffe haben keine eigene pharmakologische Wirkung. Dennoch können sie Symptome auslösen, wie eine Studie des renommierten MIT aus Cambridge vor kurzem gezeigt hat. Mehr als 90 Prozent aller Medikamente enthalten allergieauslösende (Hilfs-)Stoffe und die können bei Histaminintoleranz Probleme bereiten. Exemplarisch einige Hilfsstoffe:

  • Sojabestandteile
  • Gelatine
  • Manche Farbstoffe
  • Zitronensäure
  • Konservierungsmittel wie Benzoate
Fast immer in Medikamenten enthalten: Hilfsstoffe

Gibt es Alternativen ohne Histamin? 

Der Leidensdruck bei einer Histaminintoleranz ist hoch, das weiß ich aus vielen Gesprächen in der Apotheke. Die Sorge, mit der Anwendung eines (ungeeigneten) Medikamentes die HIT-Symptome noch zu verstärken, ist bei vielen Patienten groß.

Die gute Nachricht: Es gibt so gut wie immer Alternativen, die ohne histaminhaltige Stoffe auskommen. In Deutschland sind zehntausende verschiedene Präparate auf dem Markt, da gibt es fast immer eine Ausweichmöglichkeit. 

Ausweichen auf Generika oder anderen Wirkstoff?

Ist das Problem der Hilfsstoff, gibt es die Möglichkeit, auf sogenannte Generika auszuweichen. Sie enthalten den gleichen Wirkstoff, dafür aber unterschiedliche Hilfsstoffe. 

Und es gibt auch fast immer therapeutische Alternativen, wenn der Wirkstoff das Problem darstellt. Hier sollte man im Zweifel den Arzt fragen, wenn es sich um eine verordnete Therapie handelt.

Sollte man lieber keine Medikamente einnehmen? 

Aus Apothekersicht (aus pharmazeutischer, nicht aus kaufmännischer) ist meine Empfehlung, in keinem Fall eigenständig auf eine ärztlich verordnete Therapie zu verzichten! Das kann Folgen haben, die weit über das Maß an Unverträglichkeitsreaktionen hinausgehen. 

Auch gibt es meist keinen Grund, auf die Selbstmedikation (bei Erkältung, Allergie und Co) zu verzichten. Hier gibt es therapeutische Alternativen ohne Histamin, die ohne Rezept zur Verfügung stehen. 

Zusammenfassung

Patienten mit Histaminintoleranz sollten bei der Auswahl ihrer Medikamente genau hingucken, was in Tabletten, Säften und Kapseln alles enthalten ist. Neben den Wirkstoffen sind auch viele Hilfsstoffe betroffen, die unerwünschte Wirkungen auslösen können. Eine Therapie abzubrechen oder gar nicht erst zu beginnen, ist allerdings in der Regel nicht empfehlenswert, zumal es so gut wie immer (therapeutische) Alternativen am Markt gibt.

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Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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