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Enthält Vitamin C wirklich Sorbit?

Vor einiger Zeit fragte jemand bei Facebook, ob in Ascorbinsäure tatsächlich Sorbit enthalten ist. Der Fragesteller litt an Sorbitintoleranz und schob die akuten Magen-Darm-Symptome auf den Verzehr von Ascorbinsäure. Die Sorge war unberechtigt, denn Ascorbinsäure enthält nachweislich kein Sorbit. Trotzdem greife ich das Thema hier auf, weil es ein gutes Beispiel ist für falsch genutzte und falsch verstandene Quellen im Netz.

Was ist Ascorbinsäure überhaupt?

Fangen wir einmal vorne an. Ascorbinsäure ist auch bekannt als Vitamin C (!) und damit einer der zentralen Bestandteile im Vitamin-Haushalt unseres Körpers. Ascorbinsäure kommt in zahlreichen Lebensmitteln – entweder natürlicherweise oder zugesetzt, zum Beispiel als Antioxidationsmittel.

Zitrusfrüchte sind reich an Vitamin C

Was ist der Unterschied zwischen Vitamin C und Ascorbinsäure?

Ganz kurz: Es gibt keinen. Ascorbinsäure hat verschiedene Namen: Umgangsprachlich wird sie meist als Vitamin C bezeichnet. In Zutatenlisten und chemisch korrekt heißt sie aber Ascorbinsäure. Manchmal ist auch von L-Ascorbinsäure, Ascorbat oder antiskorbutischem Vitamin die Rede. Dies sind alles Synonyme. Am Ende handelt es sich dabei immer um Vitamin C.

Wie hoch ist der tägliche Bedarf an Ascorbinsäure?

Der tägliche Bedarf an Vitamin C (also Ascorbinsäure) liegt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei Erwachsenen bei rund 100 mg pro Tag (Männer 110 mg, Frauen 95 mg). Raucher haben einen um 30 Prozent höheren Bedarf (Männer 155 mg, Frauen 135 mg). Überschüssiges Vitamin C wird nicht vom Körper gespeichert, sondern über den Urin ausgeschieden. 

In welchem Lebensmittel ist natürliches Vitamin C enthalten?

Der Mensch kann das wasserlösliche Vitamin nicht selbst produzieren. Also sind wir auf die Zufuhr über unsere Nahrung angewiesen. Das Gute: Ascorbinsäure kommt in fast allen lebenden Zellen vor. Einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt haben frisches Obst (schwarze Johannisbeere, Sanddorn) und Gemüse (Paprika, Brokkoli). Ein Vitamin-C-reiches Gemüse ist auch die Kartoffel. 

Auch in vielen Gemüsesorten ist Vitamin C enthalten

Was passiert bei einem Mangel an Ascorbinsäure?

Heutzutage können wir unseren Bedarf an Ascorbinsäure über unsere Nahrung decken. Doch das war nicht immer so. Die bekannteste Vitamin C-Mangel-Erkrankung heißt Skorbut. Vor allem Seefahrer litten unter dieser Krankheit. Auf den oft monatelangen Reisen gab es keine Möglichkeit, frische Lebensmittel mitzunehmen. Und das führte zu einem erheblichen Mangel an Vitamin C (Ascorbinsäure). Die Folgen von Skorbut: Muskelschwäche, Infektanfälligkeit und das charakteristische Ausfallen der Zähne. Heutzutage tritt Skorbut so gut wie nicht mehr auf. 

Welche Aufgaben übernimmt Ascorbinsäure im Körper?

Ascorbinsäure übernimmt zahlreiche lebenswichtige Funktionen im Körper. Unter anderem ist sie beteiligt an der Blutgerinnung, der Abdichtung von Kapillaren, der Bildung von Hormonen und der Aufnahme von Eisen im Körper. Eine wichtige Aufgabe besteht zudem bei zentralen Funktionen des Immunsystems (Antioxidationswirkung und Einfluss auf freie Radikale). 

Ist eine erhöhte Vitamin-C-Zufuhr sinnvoll?

Ascorbinsäure ist vermutlich das bekannteste Vitamin. Und das Vitamin mit den größten Gesundheitserwartungen. Jedes Jahr, wenn die Erkältungssaison losgeht, werden (hundert-)tausende Tabletten, Kapseln und Pulver mit Vitamin C geschluckt – in der Hoffnung auf einen Effekt auf das Immunsystem. Die schlechte Nachricht: Kaum eine Studie konnte bislang einen positiven Einfluss von Vitamin C auf einen grippalen Infekt nachweisen. Einzig Menschen, die starken körperlichen Belastungen oder starker Kälte ausgesetzt sind, scheinen von erhöhten Vitamin-C-Dosen zu profitieren. 

Wundermittel Vitamin C?

Sorbit und Vitamin C – wie hängt das zusammen?

Ascorbinsäure wird aus Glucose gewonnen. In einem ersten Zwischenschritt wird dabei Glucose zu Sorbit umgelagert. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um einen chemischen Zwischenschritt. Jetzt wird es kompliziert – hier kommt das Syntheseschema…

Reichstein-Synthese zur Herstellung von Vitamin C

Ist Sorbit in Ascorbinsäure enthalten?

Nun noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Enthält Vitamin C wirklich Sorbit? Der Blick in das Synthese-Schema zeigt: Tatsächlich taucht dort als Zwischenstufe Sorbit auf. Und zwar in einer ersten Reaktion von D-Glucose zu D-Sorbit. Allerdings ist das nur ein Zwischenprodukt. Im Endprodukt, also dem fertigen synthetischen Vitamin C, ist kein Sorbit mehr enthalten. Und auch natürliches Vitamin C enthält kein Sorbit.

Darf man mit Sorbitintoleranz Ascorbinsäure zu sich nehmen?

Was heißt das jetzt für Menschen mit Sorbitintoleranz? Dürfen sie wirklich keine Ascorbinsäure mehr zu sich nehmen oder sollten die Menge reduzieren? Die Antwort lautet: Nein! Bitte nicht!! Menschen mit Sorbitintoleranz müssen weder Sorgen haben bei der Einnahme von Vitamin C bzw. Ascorbinsäure noch sollten sie auf Vitamin C verzichten. Die Folgen wären ziemlich dramatisch. Sie würden mittelfristig an Skorbut erkranken und ihrer Gesundheit erheblich schaden.

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Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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