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Das Coronavirus – Panikmache oder echte Gefahr?

Seit Anfang Dezember grassiert das sogenannte Coronavirus, das erstmals in der chinesischen Millionenstadt Wuhan aufgetreten ist. Seit kurzem gibt es erste Fälle in Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb eine „Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite“ ausgerufen. Doch was bedeutet das jetzt genau und wie gefährlich ist die Lage wirklich? 

Was sind Coronaviren?

Bei dem neuen Virus 2019-nCoV handelt es sich um einen Erreger aus der Familie der Coronaviren. Diese Virenfamilie stand bereits vor einigen Jahren im Fokus der Öffentlichkeit. Manche erinnern sich vielleicht noch an SARS (severe acute respiratory syndrome) und an MERS-CoVirus (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus), die ebenfalls aus der Familie der Coronaviren stammen.

Coronaviren sind aber rein medizinisch betrachtet keine Neuigkeit. Sie wurden schon vor langer Zeit entdeckt, bereits Mitte der 1960er Jahre wurden die ersten Fälle beschrieben. Sie können sowohl Menschen als auch Tiere infizieren. Coronaviren können bei Menschen verschiedene Krankheiten auslösen, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie eben SARS oder MERS. 

Auf einem Markt im chinesischen Wuhan sollen sich die ersten Menschen mit 2019-nCoV angesteckt haben.

Welche Symptome treten beim Coronavirus auf?

Coronaviren verursachen meist gewöhnliche Erkältungssymptome. Dabei treten vor allem Husten und Schnupfen auf. Manche Coronaviren können aber auch schwere Atemwegsinfektionen verursachen, und beispielsweise zu Lungenentzündungen führen.

Das neue Coronavirus 2019-nCoV scheint bei einem Teil der Patienten einen solchen schwereren Verlauf auszulösen. 

Wie lange dauert es, bis die Erkrankung ausbricht?

Derzeit gehen Experten davon aus, dass die Inkubationszeit von 2019-nCoV bis zu 14 Tagen beträgt. Die Inkubationszeit ist die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome

Wie gefährlich ist das neuartige Coronavirus?

Menschen aller Altersgruppen können sich mit dem Virus infizieren. Eine Infektion mit Coronaviren kann jedoch vor allem für alte oder geschwächte Menschen (zum Beispiel mit Immunschwäche) gefährlich werden. Das gilt im übrigen auch für eine Infektion mit Grippeviren (Influenza). Todesfälle durch das Coronavirus traten bisher jedoch vor allem bei Patienten auf, die vorher schon an schweren Grunderkrankungen litten.

Ältere und schwache Menschen sind besonders betroffen.

Wie kann man sich anstecken?

Bei Coronaviren, wie dem neuartigen 2019-nCoV, erfolgt die Übertragung über Tröpfcheninfektion. Deshalb sind Mundschutz und gute Händehygiene ein wichtiger Teil der Prävention. Eine Übertragung über Oberflächen ist hingegen bislang nicht beobachtet worden. Eine Infektion mit Coronavirus über Oberflächen, wie z.B. über Waren, Postsendungen oder Gepäck, ist deshalb unwahrscheinlich. 

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Eine genaue Aussage über die Ansteckungsgefahr ist zwar noch nicht möglich, da die Datenlage noch unzureichend ist. Fachleute schätzen jedoch, dass 2019-nCoV nicht so ansteckend ist, wie beispielsweise Influenza (Grippe) oder auch Masern.

Welche Medikamente helfen gegen das Coronavirus? 

Im Moment gibt noch keine Therapie gegen das Coronavirus. Es werden lediglich die Symptome behandelt wie zum Beispiel Fieber, Atemwegssymptome oder Flüssigkeitsverlust. Für andere Coronaviren, wie beispielsweise MERS, werden bereits Substanzen im Rahmen von Studien erprobt. Zugelassen ist jedoch bislang kein einziges Medikament.

Wer nach China reist, kann sich jedoch gegen Grippe impfen lassen. Das schützt zwar nicht vor dem Coronavirus, verhindert aber, dass eine Grippeerkrankung fälschlicherweise als Corona-Erkrankung missinterpretiert wird. 

Forscher arbeiten an der Entwicklung spezifischer Medikamente gegen Coronaviren.

Sind Antibiotika gegen den neuen Coronavirus wirksam?

Nein, Antibiotika sind nur wirksam bei bakteriellen Infektionen. Bei Viruserkrankungen, wie beim Coronavirus, sind Antibiotika hingegen komplett wirkungslos. 

Schützen Impfstoffe gegen Lungenentzündung vor dem Coronavirus?

Impfstoffe gegen Lungenentzündung, wie zum Beispiel Pneumokokken-Impfstoff und Haemophilus Influenza Typ B (Hib) Impfstoff, bieten keinen Schutz vor dem neuen Coronavirus.
Das Virus ist so neu und anders, dass die herkömmlichen Impfstoffe dagegen wirkungslos sind.

Gibt es Hausmittel, die gegen 2019-nCoV helfen?

Es gibt vereinzelte Gerüchte, dass Sesamöl, Knoblauch oder Meerwassernasenspray gegen das neuartige Coronavirus helfen sollen. Leider ist das alles medizinsch nicht belegbar und gehört in die Kategorie Märchen. Auf solche Berichte sollte man lieber nicht vertrauen. 

Wie kann man sich sonst schützen?

Beim Schutz gegen das Coronavirus gelten die gleichen Maßnahmen, die auch zur Vermeidung von Grippe oder anderen Virusinfektionen helfen: Handhygiene, Husten und Niesen in die Ellenbeuge sowie Abstand zu Erkrankten. Diese Maßnahmen sind zur Zeit ohnehin empfehlenswert, da aktuell in Deutschland die Grippewelle begonnen hat.  

Händehygiene hilft vor einer Infektion

Welche Desinfektionsmittel sollte man benutzen?

Zur Desinfektion von Flächen und Händen sind Mittel geeignet, die mit „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ gekennzeichnet sind. 

Wo gibt es Atemschutzmasken?

Für einen sicheren Schutz gegen eine Ansteckung sind spezielle Masken mit FFP2-Standard nötig. Diese Masken sind unter anderem in Apotheken erhältlich. Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Masken jedoch vielerorts ausverkauft.

Wie verhält man sich bei Verdacht auf eine Infektion?

Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (z.B. in Wuhan, China) oder Personen, die Kontakt mit einer am Coronavirus erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln, sollten einen Arzt aufsuchen. 

Was sind die Reiseempfehlungen für Reisen nach China?

Das Auswärtige Amt hat eine sogenannte Teilreisewarnung ausgesprochen und warnt vor Reisen in die Provinz Hubei. Es wird empfohlen, unnötige Reisen nach China zu verschieben. 

Wer trotzdem in China ist, oder dorthin reisen will, sollte folgende Verhaltensregeln beachten, um eine Ansteckung zu vermeiden: regelmäßiges Händewaschen, Marktbesuche vermeiden, Tierkontakt vermeiden, Kontakt mit Personen vermeiden, die an Atemwegserkrankungen leiden. 

Wie viele Fälle sind bereits aufgetreten?

Die meisten Fälle sind bislang in China aufgetreten, wo die Erkrankung ihren Ursprung nahm. In Deutschland gab es bislang weniger als 20 Infektionen (Stand 4.2.20). Hier gibt es einen Überblick über die aktuellen Fallzahlen: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Zusammenfassung

Verfolgt man die Berichterstattung in den Medien und Beiträge in sozialen Medien entsteht leicht der Eindruck von Panik. Nüchtern betrachtet ist die Zahl der Erkrankungen und die Zahl der Todesfälle durch2019-nCoV jedoch bislang verhältnismäßig gering. Die Zahl der Grippefälle und -todesfälle sind in Deutschland jedes Jahr um ein Vielfaches höher. Dennoch ist bislang noch recht wenig über das neuartige Coronavirus bekannt und es ist schwer absehbar, wie sich die Infektionswelle entwickelt. Deshalb sollten grundsätzliche Hygieneregeln beachtet werden, um eine mögliche Epidemie in Deutschland zu vermeiden. Ältere und geschwächte Patienten sollten von (potenziell) erkrankten Personen Abstand halten.

Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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