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Corona-Logbuch eines Apothekers: 28.3.2020

Die Wahrscheinlichkeit, dass in Apotheken vereinzelt Corona-positive Patienten auftauchen, ist ja statistisch relativ groß. Wir desinfizieren deshalb, was das Zeug hält, um nicht ungewollt zum Superspreader zu werden. Mehrfach am Tag den Tresen und natürlich nach jeder Eingabe die EC-Geräte. Heute haben wir es aber wohl etwas übertrieben. Unser mobiles EC-Gerät hat plötzlich den Geist aufgegeben, wir haben es offenbar „kaputt-desinfiziert“. Gott sei Dank verfügen wir über ein weiteres Gerät. Montag kommt dann Ersatz.

Unser defektes EC-Gerät nach einer Desinfektions-Dusche zuviel

Helfen um (fast) jeden Preis

Ein Fall hat mich heute besonders gefordert. Ein Patient reichte Insulin-Rezepte ein – ausgestellt von einem Zahnarzt. Für alle nicht-Apotheker: Das kann man nicht mit der Krankenkasse abrechnen, das Rezept war quasi ungültig. Und bei einem Verordnungswert von mehr als 500 Euro auch keine Sache, wo man mal „ein Auge zudrückt“, und die Kosten auf die eigene Kappe nimmt. Der Patient brauchte nun aber dringend seine Diabetes-Medikamente. Und während eine Versand-Apotheke die Rezepte vermutlich einfach kommentarlos zurückgeschickt hätte, haben wir unsere vor Ort-Apotheke-Soforthilfe-Bazooka rausgeholt.

Alle Hebel in Bewegung gesetzt

Es ist unsere verdammte Pflicht – und unsere Leidenschaft – zu helfen. Besonders in schweren Fällen. Am Samstag Abend war das aber selbst für uns eine Herausforderung. Als erstes haben wir es also beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst versucht (ging auch nach 25 Minuten keiner ran). Parallel haben wir die Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses angerufen (die wollten nur kleine Mengen verordnen, die am Samstag Abend nicht mehr bestellbar waren). Als nächstes habe ich Studienkollegin angerufen, die zufällig bei der Krankenkasse des Patienten arbeitet (die uns bestätigte, dass das Rezept nicht abrechenbar ist). Unser letzter Joker: Ein befreundeter Internist, den wir am Samstag Abend per SMS erreichten. Volltreffer! Er wird den Patienten nächste Woche trotz Corona-Aufnahmestopp aufnehmen und die Rezepte ausstellen. Nach gut 45 Minuten hatten wir schließlich die Lösung. Der Patient war mit einer ersten Notration versorgt und wir haben das getan, wofür wir da sind: Menschen helfen und sie mit Medikamenten versorgen.

Ein guter Tag!

Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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