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Corona-Logbuch eines Apothekers: 19.4.2020

Liebe LeserInnen, die letzten Tage war ich nicht so richtig bei der Sache und habe das Tagebuch etwas vernachlässigt. Die ganze Corona-Sache zehrt ziemlich an den Nerven… Den ganzen Tag Virus, Virus und nochmal Virus und kein anderes Thema mehr. Jetzt habe ich aber den Corona-Blues überwunden und melde mich wieder mit einem Tagebucheintrag. Was ist also in den letzten Tagen passiert?

Ein Osterfest wie nie zuvor

Für viele Menschen ist Ostern ja eines der Highlights des Jahres. Kirchlich gesehen ist es sogar das höchste Fest, aber auch weltlich betrachtet, ist Ostern für viele Menschen etwas ganz Besonderes. An Ostern trifft sich die Familie, an Ostern gibt es die Eiersuche, das Osterfrühstück und vieles mehr. Dieses Jahr war alles anders. Denn auch an Ostern galt: Kontaktsperre, kein Familienbesuch, social distancing. Ziemlich merkwürdig.

Und auch in der Apotheke war alles anders als sonst. Das Ostergeschäft ist klassischerweise eines der stärksten überhaupt. Am Ostersamstag kriegen wir meist Blasen an den Hacken vom vielen Rennen und Fusseln im Mund von hunderten Kundengesprächen. Dieses Jahr gab es diesen Andrang nicht. Es war zwar ordentlich zu tun, aber nicht ansatzweise vergleichbar mit den vergangenen Jahren.

Ostergeschenke für die benachbarten Shops

Wir haben die Zeit deshalb genutzt, und den offenen Geschäften im Center eine kleine Aufmerksamkeit vorbeigebracht. Unsere Kollegin hatte zuvor kleine Tütchen gepackt mit etwas Schokolade und einem Apothekengeschenk. Die Mitarbeiter aus den Shops haben sich riesig gefreut. Solche netten Gesten wären vor Corona vermutlich eher mit einem milden Lächeln quittiert worden. Jetzt in der Krise sieht man wieder echte Freude in den Gesichtern. Das ist zumindest ein kleiner Trost.

Bangen, wie es weitergeht

Kurz nach Ostern tagte dann das Corona-Kabinett der Bundesregierung. Es ging um die Frage, wie es weitergeht mit einer langsamen Öffnung des gesellschaftlichen Lebens. Die sinkenden Infektionszahlen und die positiven Meldungen von den Intensivstationen haben bei vielen die Erwartung geschürt, dass es Lockerungen vom Shutdown gibt.

Zumindest in Teilen wurde diese Hoffnung erfüllt. Die meisten Geschäfte dürfen – unter Auflagen – wieder öffnen. Ausgenommen sind Restaurants und Läden mit großer Geschäftsfläche. Das gilt auch für unser Center. Und deshalb gab es zum Wochenende eine Information vom Center-Management, welche Maßnahmen die Geschäfte zu treffen haben.

Unser Abstands- und Sicherheitskonzept steht ja schon seit Beginn der Krise (Abstandsmarkierungen, Plexiglas, Aushänge in der Apotheke, verstärkte Hygienemaßnahmen). Dennoch haben wir die Chance genutzt und unser Wegeleitsystem etwas umgestaltet. Denn wenn sich die Kundenfrequenz im Center wieder erhöht (was aus betriebswirtschaftlicher Sicht wünschenswert ist), können wir so auch weiterhin den Mindestabstand garantieren. Das wird wichtig sein, damit nicht bald schon der nächste Lockdown kommt.

Wir haben wieder Mundschutz

Lange ist von der Politik und Experten diskutiert worden, ob eine Maskenpflicht sinnvoll ist. Erst hieß es nein, später wurde daraus ein vielleicht. Mittlerweile haben Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum eingeführt. Mal sehen, wie viele Bundesländer noch nachziehen.

Wir haben deshalb schon vor einigen Wochen größere Mengen OP-Mundschutz bestellt. Zwar zu hohen, aber noch vertretbaren Preisen. Und bei einem Händler, dem wir vertrauen können. Denn der Markt ist überschwemmt von unseriösen Angeboten, mit Vorkasse und ungewissen Lieferfristen. Jeden Tag erreichen uns ein halbes Dutzend Anrufe, Faxe und E-Mails mit Angeboten. Ziemlich nervig.

OP-Mundschutz hilft, Tröpfcheninfektion zu vermeiden

Die Masken verkaufen wir in kleineren Mengen. Die Kunden sind dankbar, dass wir überhaupt welche haben und akzeptieren die Mengenbeschränkung ohne Murren.

Zum Tagesabschluss eine gute Tat

Gestern nach Feierabend habe ich dann noch eine Patientin versorgt. Persönlich, mit dem Fahrrad, auf dem Weg nach Hause. Die Patienten litt unter schwerem Durchfall, konnte das Haus nicht verlassen. Selbstverständlich haben wir da geholfen. Ist ja unsere Spezialität. Auch unabhängig von Corona…

Von Maximilian Wilke

Hier schreibt Maximilian Wilke, Gründer von whatsin und Apotheker. Und zwar über Gesundheitsthemen, Allergien, Unverträglichkeiten, den Apothekenalltag, über große und kleine Aufreger, Schönes und nicht so Schönes und vieles weiteres mehr...

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